Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Gemeinsam gedachten Vertreterinnen und Vertreter aus dem Ortsrat, aus Vereinen, der Feuerwehr, der Carlinger Bürgermeister Gaston Adier, Pfarrer Patrick Altmeyer und interessierte Bürgerinnen und Bürgern am Volkstrauertag vor dem Kriegsmahnmal auf dem Friedhof den Opfern von Krieg, Gewalt, Hass, Rassismus und Antisemitismus vergangener, aber leider auch aktuellen Zeiten.

Während der Feierstunde, die vom Saxophonquartett des Musikvereins Lauterbach begleitet wurde, wurde ein Gedicht von Janina Bodi, #antikriegslyrik, rezitiert. Ortsvorsteher Erik Roskothen las neben dem Totengedenken des Bundespräsidenten einen Text von Tobias Bütow und Anne Tallineau über die deutsch-französische Zusammenarbeit als Inspiration für Europa. „Geschichte ist kein Schicksal. Aus Erzfeinden können beste Freunde werden.“

Den Abschluss bildete ein Vin d‘honneur im Backhaus.


Antikriegslyrik

Gedichte für den Frieden

ein Gedicht über den krieg schreiben,
wenn man nur frieden kennt
@janinabodi

ich kenne keinen Krieg
ich kenne nur
geschichtsbuchkapitel
mit schaubildern und einem spannenden titel,
mit fakten und daten und zahlen und quoten:
Erster Weltkrieg, 1914–18, mit 17 Millionen und
zweiter Weltkrieg, 1939–45, mit 80 Millionen
Toten.

ich kenne keinen Krieg
ich kenne nur
literaturmeisterwerke
wohlklingende Worte von schönheit und stärke
von brecht und remarque, die sie uns hinterließen:
Wir waren 18 Jahre und begannen
die Welt und das Dasein zu lieben;
wir mußten darauf schießen.

ich kenne keinen Krieg
ich kenne nur
abendessenanekdoten
am tisch ist schwerwiegendes schweigen geboten
wenn opa uns wieder von damals erzählt:
Wir hatten Hunger und hatten kein Geld.
Wir stahlen gefrorene Kartoffeln vom Feld.

ich kenne keinen Krieg
ich kenne nur
nachrichtenbilder
explosionen in städten und weinende kinder,
daneben der sprecher, der sachlich erklärt:
Am 6. Tag der Invasion in der Ukraine haben
die russischen Truppen ihre Angriffe verstärkt.

ich kenne keinen Krieg
ich kenne nur
frieden
ich musste nie fliehen, bin immer geblieben.
ich hatte nie hunger, bin immer schon satt.
ich musste nie schießen, weil man‘s mir befohlen
hat.

ich kann seine schrecken nur benennen,
doch andere müssen den krieg durchleben.
ich wünschte, ich wär‘ nicht so machtlos dagegen.
ich wünschte, ein jeder würd‘ ihn wie ich
nur noch vom
hörensagen
können

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